Was ist Montessori-Pädagogik? 

Frau Dr. Maria Montessori wirkte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie war Ärztin, aber ihr Lebenswerk galt nicht der Medizin, sondern der Pädagogik („Erziehungskunst“). 

Ausschließlich durch Beobachtung von Kindern entwickelte sie einen völlig neuen Ansatz im Umgang mit Lernen und Lehren.  

Heute, 50 Jahre nach ihrem Tod, werden ihre Erkenntnisse weitgehend durch verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, wie Gehirnforschung, Kybernetik, Kinesiologie, Entwicklungspsychologie und Lernforschung bestätigt und bekräftigt.  

Dr. M. Montessori prägte den Begriff der „Pädagogik vom Kinde aus“. In ihrer Zeit als Leiterin eines Kinderhauses in Rom fiel ihr auf, dass entgegen der damaligen Lehrmeinung junge Kinder ein natürliches, außerordentliches Konzentrationsvermögen besitzen. Sie nannte dieses Phänomen die „Polarisation der Aufmerksamkeit“. Wichtig schien ihr herauszufinden, unter welchen Bedingungen Kinder ein hohes Niveau der Konzentration erreichen und was dabei passiert. Die intensive Aufmerksamkeit trat regelmäßig bei jenen Kindern auf, die die Möglichkeit hatten, aus vorbereiteten Arbeitsmaterialien frei ihre Tätigkeit zu wählen, und die während dieser Tätigkeit nicht von Erwachsenen unterbrochen und belehrt wurden. Nach solchen Aufmerksamkeitsphasen waren Kinder ruhiger, ausgeglichener und zufriedener als vorher. Dies bezeichnete M. Montessori als „Normalisation“. 

Die Freiarbeit in der Montessori Pädagogik

Um die Normalisation zu fördern, führte Montessori die „Freiarbeit“ ein, dies bedeutet die Möglichkeit für Kinder, in einem vorgegebenen Rahmen selbst zu entscheiden, was sie tun und üben wollen. 

In der Freiarbeit wird sichtbar, dass Kinder sich zu bestimmten Zeiten mit ganz bestimmten Themen intensiv auseinandersetzen. Solche Zeitspannen, in denen eine Anziehung zu einem besonderen Lernthema besteht (Sortieren, Zählen, Buchstaben,..), bezeichnete M. Montessori als „Sensible Phasen“. In der heutigen Sprache der Gehirnforschung nennt man sie auch „Fenster“. In diesen Zeitspannen gelingt das Lernen eines bestimmten Bereiches besonders leicht.  

Auf Grund all dieser Beobachtungen und Erkenntnisse  forderte Dr. M. Montessori eine Lernumgebung „Vorbereitete Umgebung“, die altersgemäße und der Gehirnentwicklung des Kindes entsprechende Tätigkeiten zulässt. Die Betreuer/innen haben die Aufgabe, das Kind in seiner freien Tätigkeit zu unterstützen und zu begleiten, sodass es den Kindern möglich wird, ihrem „inneren Bauplan“ entsprechend mit bestimmten Materialien  zu lernen und wie M. Montessori es selbst nannte: „sich zu bilden“.  

 

Spielen und Lernen im  Kindergarten

Spielen und Lernen sind für Kinder im Alter von 3 – 7 Jahren nicht zwei verschiedene Elemente. Das Spiel ist die entscheidende kindliche Form des Lernens. 

Im lebendigen Spiel er-lebt das Kind die Dinge und ihre Bedingungen. 

Ihre vielfältigen Eindrücke wollen Kinder ordnen. 

Die Sinnesmaterialien von Maria Montessori bieten ihnen die Möglichkeit, gemachte Sinneseindrücke bewußt zu erleben, zu isolieren, zu ordnen und zu vertiefen. Nach der intensiven Arbeit mit einem Sinnesmaterial werden die Eindrücke „verbalisiert“. Die Erfahrungen bekommen einen Namen. 

Übungen des täglichen Lebens

Bei den „Übungen des täglichen Lebens“ können sie „nützliches“ üben. Die verschiedenen Verschlüsse auf- und zu machen, Schuhe putzen, kehren, Metall putzen, Knopf annähen, können sie isoliert immer wieder probieren und ihre Bewegungen dabei perfektionieren. Sie erlangen dadurch große Selbstständigkeit, können sich eigene Bedürfnisse befriedigen und später auch anderen Kindern helfen. 

Bewegung ist Grundlage für die geistige und seelischer Entwicklung des Kindes. 

„Ohne Bewegung ist Lernen nicht möglich.“ sagte Maria Montessori, und Jean Piaget erklärte:“ Die Basis der Intelligenz ist die Wahrnehmung mit allen Sinnen über die Bewegung!“ 

Wir müssen ihnen also eine vorbereitete Umgebung schaffen, in der Bewegung möglich ist. 

Beobachtung der Kinder in freier Tätigkeit

In unserer täglichen Arbeit mit den Kindern liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Beobachtung der Kinder in freier Tätigkeit. 

Dabei zeigen sich die Kinder in ihrer wahren Eigenart mit all ihren Fähigkeiten und Schwächen. Mit diesen Beobachtungen können wir für jedes einzelne Kind genau passende Angebote setzen, die einer bestimmten Entwicklungsphase und sensiblen Periode gerecht werden und so einen Lernschritt optimal unterstützen. 

Angebote von uns Erwachsenen zu bestimmten, kosmischen Themen für die ganze Gruppe entstehen aus dem Interesse der Kinder, dem Jahresverlauf und aus gemeinsamen Erlebnissen. 

Spontane Ideen der Kinder werden dabei natürlich berücksichtigt und in die Planung eingebaut und es passiert nicht selten, dass dadurch unser Tagesablauf eine ganz neue Wendung erhält.  

Letztendlich wählen die Kinder selber ihre Lerninhalte und füllen mit ihrer Fantasie und Neugierde unsere Tage. Die Rolle des Erwachsenen ist dabei in erster Linie eine anbietende und helfende. 

Die wichtigsten Regeln des Zusammenlebens

Natürlich gibt es Regeln die unser Zusammenleben organisieren und an die sich sowohl Erwachsene wie Kinder halten. 

Das Material muss wieder aufgeräumt werden, ein arbeitendes Kind darf nicht gestört werden, wir dürfen niemanden verletzen – auch nicht mit Worten, sind nur die wichtigsten dieser Regeln. 

Die vorbereitete Umgebung, liebevolle Zuwendung, verständnisvolle Hilfe, Achtung vor den kindlichen Bedürfnissen, Angebote zum richtigen Zeitpunkt, das Setzen von Grenzen sowie die Hilfe zur konsequenten Einhaltung der Regeln sollen es Kindern im Kindergarten ermöglichen „sich selbst zu bilden“. 

 

 

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